Lesen und Schreiben

Grundsätzliche Überlegungen

„Lesen und Schreiben sind in unserer westlichen Kultur ein so fundamentaler Ausweis an Partizipation an der Gesellschaft und der Beteiligung in der Gesellschaft an der Kultur, dass Schule auch in ihrer elementarsten Form alles versuchen muss, um auch geistigbehinderten Schülern das Lesen und Schreiben beizubringen.“ (Heinz Schurad u.a.: Curriculum Lesen und Schreiben für den Unterricht an Schulen für Geistig- und Körperbehinderte, Oberhausen 1999, S. 32)

Lesen und Schreiben haben in unserer Kultur vielfältige Funktionen: Lesen und Schreiben zu können bedeuten eine wesentliche Teilhabe an Kultur bzw. Gesellschaft. Mit Hilfe der Fertigkeiten „Lesen“ und „Schreiben“ gelingt es, an Kommunikationsprozessen teilzunehmen, z.B. durch das dauerhafte Niederschreiben von Gedanken sowie die Erweiterung des eigenen Wissensstandes. Aber nicht nur die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, sondern auch die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit verleiht dem Lesen und Schreiben seine besondere Bedeutung. Schriftsprache dient grundlegend der Lebenserleichterung und -bewältigung (Informationsvermittlung, Erweiterung des Wissensstandes, Entlasten des Gedächtnisses, Entspannung usw.) sowie der Persönlichkeitsentwicklung (Teilnahme am öffentlichen, kulturellen Leben, Fortschritt in der geistigen Entwicklung).

Durch Lesen und Schreiben kann der Mensch verstärkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, in Interaktion und Kommunikation mit seiner Umwelt treten, sich jedoch auch von ihr abgrenzen. Die sprachliche Bildung wird durch Lesen und Schreiben gefördert und der Mensch kann sowohl in einem gedanklichen als auch schöpferisch-kreativen Prozess aktiv werden.

Weitere Bedeutung kommt dem Schriftspracherwerb zu, indem die geistige, emotionale und soziale Entwicklung gefördert wird, die die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen erweitert werden, der Mensch selbständiger und unabhängiger in Familie, Schule und Umwelt wird und seine Handlungskompetenzen erweitert werden. Indem ein Mensch lesen und schreiben lernt, steigert sich sein Selbstbewusstsein und er ist zunehmend in der Lage, sich selbst Informationen zu beschaffen. Gerade im Hinblick auf Menschen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung bedeutet die Beherrschung der Schriftsprache auch einen wesentlichen Beitrag zur Gleichstellung. Deshalb gilt: Indem man Menschen mit dem Förderbedarf Geistige Entwicklung Zugang zur Schriftsprache gewährt, lässt man sie aus ihrer sonst eher passiven Rolle heraustreten und gibt ihnen die Möglichkeit, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. 

 

Lesen und Schreiben an der Förderschule Windeck-Rossel

Im Schuljahr 2005/2006 entwickelten die Kolleginnen und Kollegen ein einheitliches und für alle verbindliches Leselernkonzept. Dazu einigten wir uns auf folgende, in unserer Schule allgemein verbindliche Standards:


  • Lesen und Schreiben wird (möglichst früh) parallel eingeführt
  • Grafomotorische Übungen, z.B. Üben der grafischen Grundformen nach Haug/Keuchel zur Schreibvorbereitung
  • Schreiben in Gemischtantiqua (drucken, nachspuren, (nach-)legen, ablaufen, Freies Schreiben)
  • Gleichzeitige Einführung von Groß- und Kleinschreibung
  • Verwendung von Druckbuchstaben (günstige Computerschriften: Comic sans MS, Century Gothic)
  • Berücksichtigung der vereinbarten Bewegungsabläufe beim Schreiben der Buchstaben
  • Lautgetreues Benennen der Buchstaben
  • Lautgebärden werden integriert
  • Verwendung der Anlauttabelle nach Reichen
  • Ermittlung der individuellen Lesestufe und entsprechende, altersgemäße Arbeitsangebote:
    • Bilder
    • Fotos
    • Piktogramme
    • Signalworte(Namen, Wochentage usw.)
    • Sätze
    • Texte

 

 

 

Es wurde entschieden, Lese- und Schreibunterricht zusätzlich zum in den Klassen stattfindenden Unterricht in stufenübergreifenden Lesegruppen zu erweitern. In diesen Lesegruppen sind die Schülerinnen und Schüler je nach ihrem Könnensstand nach möglichst gleichem Niveau zusammengefasst.

Dabei werden alle Schülerinnen und Schüler jeweils zu Beginn eines Schuljahres ihrer Leseentwicklung entsprechend den folgenden Gruppen zugeteilt:

 

Vorstufengruppe: Bilder, Piktogramme, Namen und erste Buchstaben werden eingeführt und erlesen.

 

Lautiergruppe:  Bereits bekannte Buchstaben werden wiederholt, neue eingeführt, relevante Ganzwörter werden erlesen.

 

Sythesegruppe: Die meisten Buchstaben sind bereits bekannt, erstes Erlesen unbekannter Wörter

 

Lesegruppe: Lesen von Wörtern, Sätzen und kurzen Texten

 

Lektüregruppe: Lesen von längeren Texten und Lektüren, textproduktive Verfahren

 

Unterstützte Kommunikation: Lesen für nicht sprechende Schüler mit Hilfe der Unterstützten Kommunikation

 

 

Förderschule Rossel
Rosselerstr. 2
51570 Windeck - Rossel

schule.rossel@gmx.de
Tel.: 02292/920930

Fax.:02292/3556